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Social Media Werkstatt des GABAL e.V. – “Social Media in der Weiterbildung”

Social Media und Weiterbildung. Die Kombination dieser Themen passt zu mir ja, wie die Faust aufs Auge. Social Media sind meine Leidenschaft, noch dazu arbeite ich für einen Bildungs- und Beratungsdienstleister.

Daher war es für mich sehr spannend, am Samstag zum Frühjahrs-Impulstag des GABAL e.V. zu fahren. Das Thema war: “Social Media in der Weiterbildung” bzw. der Untertitel auf dem Flyer “Social Media – wie sie in der Weiterbildung optimal eingesetzt werden können“.

Auch schon die Blog-Parade “Social Learning” von Julian Grandke und Cornelie Picht drehte sich mehr oder weniger um dieses Thema.

Ich stelle Euch kurz die einzelnen Vorträge, inklusive der Präsentationen (soweit sie schon da sind) vor.

1. Vortrag:
Social Media im Überblick; Prof. Dr. Michael Bernecker, Deutsches Institut für Marketing

Social Media Werkstatt GABAL e.V.Prof. Dr. Michael Bernecker, der nebenbei noch Vorstand des GABAL e.v. ist, hat mit seinem halbstündigen Vortrag sehr schön in das Thema Social Media eingeführt. Ich war überrascht: Als wir begonnen haben, hatten ca. 8 Personen der anwesenden 70 Personen einen Twitter-Account. OK, wenn man sich die gesamten Zahlen zu aktiven Twitterern in deutscher Sprache anschaut ist die Quote gar nicht so schlecht. :-) Zum Abschluss der Veranstaltung gab es dann immerhin 18 Accounts.

Prof. Dr. Bernecker hat zunächst eine Abgrenzung bzw. Definition von Social Media und lernen vorgenommen. Social Media wurde, wie so oft mit den Netzwerken, bzw. den Plattformen, definiert. Diese Definition sehe ich kritisch: Für mich ist Social Media nicht zwangsläufig mit den Plattformen gleich zu setzen. Social Media beschreibt für mich viel eher einen Wandel in der Art, wie wir miteinander kommunizieren. Die verschiedenen Netzwerke sind nur die Plattformen für diese Art der Kommunikation.

Interessant fand ich, dass er auf die verschiedenen Formen von lernen eingegangen ist (Folie 5). Gerade das informelle lernen nimmt aus meiner Sicht eine große Bedeutung ein. Darauf war ich ja auch schon in meinem Beitrag zur oben erwähnten Blog-Parade eingegangen.

Hier der Vortrag:

2. Vortrag:
Lernen mit Facebook & Co.; Felix Beilharz, Deutsches Institut für Marketing

Der Vortrag hatte definitiv den größten praktischen Teil, bei dem jeder mitarbeiten konnte. Zunächst stelle Felix Beilharz einige Zahlen zu Social Media Plattformen vor. Daraus leitete er ab, dass sich diese Plattformen durchaus für die Erwachsenenbildung eignen können.

Es folgte ein äußerst interessantes Beispiel: Die London School of Business & Finance (LSBF) bietet einen MBA komplett auf Facebook an. Die verschiedenen Kurse an sich kosten nichts. Erst, wenn man die Prüfung ablegt, werden die Gebühren fällig. Ich konnte das leider nicht überprüfen, da bei mir die Apps auf der Facebook-Seite der LSBF nicht richtig funktionierten.

Bei diesem Beispiel kann man sich natürlich fragen, worin der Mehrwert besteht, diesen auf Facebook zu absolvieren. So weit ich es überblicken kann, könnte man diesen auch über ein anderes Online-Tool durchführen. Ob Facebook nebenbei mit Gruppen o.ä. genutzt wird, weiß ich nicht.

Nachdem Herr Beilharz dann einige Plattformen, nach verschiedenen Kategorien vorgestellt hatte, wurde es praktisch. Gute Idee – an der Umsetzung haperte es, aus meiner Sicht. Der praktische Teil hatte zwei Probleme:

  1.  In der Einladung war offensichtlich nicht auffällig genug darauf hingewiesen, dass jeder einen Laptop/iPad oder sonstiges Device mitbringen sollte. Daher konnte nur ca. die Hälfte tatsächlich praktisch mitarbeiten.
  2. Der praktische Teil bestand darin, dass sich alle einen Twitter-Account anlegen sollten und mit dem entsprechenden Hashtag twittern sollten. Anschließend wurde noch eine geschlossene Gruppe auf Facebook vorgestellt, in der alle Mitglied werden sollten. Und zum Abschluss wurde noch ein bisschen mit Mister Wong “experimentiert”.

Es kann sein, dass ich das zu kritisch sehe. Ich hätte mir aber gewünscht, dass hier viel stärker darauf eingegangen wird, wie man diese Tools ganz praktisch in der Weiterbildung einsetzen kann. Dies an Hand von konkreten Beispielen zu machen, wäre wünschenswert gewesen.

Hier der Vortrag:

Lernen mit Social Media

3. Vortrag:
Social Media Tools für lernende Organisationen; Stefan Marx, Trivadis AG

Der Beitrag von Stefan Marx war für mich der interessanteste auf der gesamten Veranstaltung. Stefan Marx arbeitet bei dem Schweizer Unternehmen Trivadis und hat vorgestellt, wie in seinem Unternehmen mit Wissen umgegangen wird. Das zur Wissensverteilung und -weitergabe auch Social Media-Plattformen genutzt werden, ist für ihn nur ein logischer Schritt. Facebook allerdings, das hat Herr Marx mehrfach betont, kommt für Trivadis nicht in Frage. Hierzu sind die Vorbehalte unter den Mitarbeitern zu groß.

Trivadis geht als Unternehmen sehr offen mit dem vorhandenen Wissen in der Organisation um. Das Wissen wird auf verschiedenen Plattformen, unter anderem mehreren Blogs, mit Kunden und Interessenten geteilt. Vorträge gibt es generell kostenlos zum Download.

Besonders interessant fand ich ein Beispiel eines Mitarbeiters, der ein Buch geschrieben hat. Er wurde hierzu vom Unternehmen von seiner normalen Arbeit als Oracle-Berater freigestellt und durfte während der Arbeitszeit 200 Tage lang an seinem Buch arbeiten. Das Buch bzw. die Inhalte wanderten dann um die Welt – von London bis San Francisco und wieder in die Schweiz. Mittlerweile veröffentlicht der Mitarbeiter nach und nach auf seinem Firmen-Blog einzelne Kapitel.

Auch innerhalb der Trivadis gibt es über eine Wiki-Lösung im Intranet einen offenen Wissensaustausch. So wird das Wissen in der gesamten Organisation vermehrt, weil es geteilt wird.

Der offene Umgang mit Wissen, in Form von Vorträgen, Büchern und Blogs macht sich auch in den Tagessätzen der Berater bemerkbar. Marx stellte fest, dass die Berater, die durch diese Aktivitäten sichtbarer werden – und sich als Experten positionieren – höhere Tagessätze erzielen.

Hier der Vortrag:

4. Vortrag:
Webinare professionell konzipieren, planen und durchführen; Michael Schmettkamp, geprüfter Webinarprofi  - Virtueller Trainer BDVT

Michael Schmettkamp, selbst seit 25 Jahren im Trainings-Bereich tätig stellte hauptsächlich eine Webinar-Plattform mit ihren Funktionen vor. Ein Großteil der Zeit wurde hierauf verwendet, was ich ehrlich gesagt sehr schade fand:

Herr Schmettkamp ging kurz darauf ein, welche methodischen Möglichkeiten man in Webinaren hat. Er unterschied bei Webinaren die vier Formen

  • Web-Seminar
  • Web-Vortrag
  • Web-Coaching
  • Web-Moderation
Der einzige Teil, der für mich einen Teil meiner Erwartungen an diesen Vortrag erfüllt hat, war sehr kurz gehalten. Herr Schmettkamp ging hierin darauf ein, wie man die Teilnehmer am besten aktivieren kann. Einen Unterschied zu einem “klassischen” Training stellte dies aber auch nicht wirklich dar.
Die Präsentation von Herr Schmettkamp liegt noch nicht vor. Sobald ich sie habe, wird sie hier natürlich ergänzt.

4. Vortrag:
Distance Learning Best Practice; Konrad Fassnacht, FCT Akademie GmbH

Den Vortrag habe ich leider nicht bis zum Ende verfolgen können. Ich musste nach ca. einer Stunde los zum Zug.

Auch hier wurde zunächst noch einmal kurz auf die verschiedenen Plattformen eingegangen. Da dies hier aber sehr kurz gehalten wurde, war es für mich OK.
Anschließend ist Herr Fassnacht sehr konkret auf Beispiele eingegangen, wie man Social Media Plattformen (hier Foren, Blogs und Wikis) in eine Weiterbildung integrieren kann.

Er zeigte ein Beispiel, in dem ein Training zunächst rein digital begonnen wurde. Es gab eine digitale Eröffnung der Schulung und es wurden Kleingruppen unter den Teilnehmern gebildet. Die Mitglieder der Kleingruppen kannten sich nicht, mussten trotzdem über ein Wiki, ein Blog und ein Forum bereits erste Gruppenarbeiten erledigen. Als zweiten Schritt gab es insgesamt zwei Präsenz-Workshops, die durch digitale Einheiten getrennt waren. Während der digitalen Teile stand ein Online-Trainer immer zur Seite.

Diese Kombination aus on- und offline-lernen und Zusammenarbeit finde ich sehr interessant. Ich denke, das ist der Schritt, der bei vielen Themen gegangen werden wird (und sollte).

Auch hier liegt die Präsentation noch nicht vor. Wie oben schon: Wenn ich die Präsentation habe, werde ich sie hier einbinden.

Update (11.04.2012): Hier die Präsentation

Fazit zum Thema:

Auch Weiterbildungs-Dienstleister müssen sich auf die Änderung in der Kommunikation unter und mit den Teilnehmern einstellen. Das gilt (im B2B-Bereich) auch bei der Kommunikation mit den Bestellern und sonstigen Stakeholdern.

Die Unternehmen sollten eine Antwort darauf finden, wie sie Social Media-Mechanismen in Trainings so einbauen können, das sie einen echten Mehrwert für die Teilnehmer bieten. Das kann für eine höhere Aktivierung der Teilnehmer und einen besseren Lern-Erfolg sorgen.

Fazit zur Veranstaltung:

Wenn man zu einer (fachlichen) Veranstaltung geht, hat man ja meist eine gewisse Erwartung daran, was man dort erlebt und was man mitnimmt. So war es auch bei mir, als ich mich angemeldet habe.  Das Thema fand ich extrem spannend.

Was waren meine Erwartungen? Durch den Titel der Veranstaltung und die Titel der verschiedenen Vorträge habe ich mir erwartet einige Impulse und konkrete Beispiele mitnehmen zu können, wie man Social Media-Plattformen und -Mechanismen in der Weiterbildung nutzen kann. Vor allem habe ich erwartet, dass es praktische Tipps gibt und diese auch in die Tiefe gehen, wenn es um die Konzeption von Trainings geht.

Meine Erwartungen wurden nur teilweise erfüllt, trotzdem gab es einige interessante Impulse.

Disclosure: Ich war auf dieser Veranstaltung dienstlich für meinen Arbeitgeber DB Training, Learning & Consulting. Dieser Text beschreibt meine persönliche Meinung und spiegelt nicht unbedingt der Meinung meines Arbeitgebers wider.

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Autor: Nico Kirch

Hallo, mein Name ist Nico Kirch. Hier blogge ich über alles, was mich bewegt - vor allem über Social Media & Kommunikation. Mehr über mich findet Ihr hier. Ihr findet mich unter anderem auf Google+.

  • Willi Kreh

    Hallo Herr Kirch,
    als Mitglied des Vorstandes von GABAL e.V. finde ich es
    klasse, dass Sie in Ihrem Blog so ausführlich über den Impulstag vom 17.03.2012
    berichten.

    Ich selbst bin als Steuerberater, der sich auf die Themen
    von Trainern, Beratern und Coachs spezialisiert hat, schon seit längerer Zeit
    in XING aktiv und zur Zeit in der Findungsphase, auf welchen Social Media
    Plattformen ich noch aktiv sein möchte. Meine zweite Kompetenz ist die
    Vorbereitung auf Bankgespräche „In 5 Phasen auf Augenhöhe mit Ihrer Bank“ http://www.bankstrategieberater.de
    Herzliche Grüße aus Rosbach
    Willi Kreh

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