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Personal Branding über alles?

Heute wurde ein Artikel geradezu durch meine Facebook- und Twitter-Timeline „gespült“: Romy Mlinzk hat für Lead Digital einen Artikel mit dem Titel „Der Kleinmädchentraum zerstört Ihre Marke“ geschrieben. In dem Artikel geht es um Personal Branding – genau genommen um Markenbildung von Frauen. Romy sagt in dem Artikel unter anderem:

„Hat man sich erst einmal einen Namen gemacht und sich erfolgreich über diverse Kanäle bis hin zur eigenen Website und/oder Blog etabliert, ist man eine Marke. Da frage ich mich in letzter Zeit, warum so viele erfolgreiche Frauen dies unbedingt zerstören wollen, nur um einen Kleinmädchentraum zu leben?“

Es geht um Frauen, die mit einer Hochzeit den Namen ihres Ehemanns übernehmen – und damit ihren Mädchennamen/Geburtsnamen/Ledignamen (sucht Euch was aus :-)) ablegen. Damit würde Frau, so Romy, „sich (also die Marke)“ selbst aufgeben. Sie vertritt in dem Artikel die Ansicht, dass das Annehmen eines anderen Nachnamen bei Frauen, die im Bereich Social Media unterwegs sind, ein Fehler ist.

Hochzeit

Vor einer Heirat stellt sich immer die Frage: Wer nimmt welchen Namen an – oder behalten beide ihren Geburtsnamen?

Ich möchte zwei Punkte vornweg klar stellen: Erstens schätze ich Romy als Person sehr. Dieser Beitrag soll keine Kritik an Ihrer Person sein, eher meine Meinung zum Thema darlegen. Zweitens werden viele sicher sagen: Du hast gut Reden. Schließlich bist Du ein Mann und kannst das nicht beurteilen. Zu meiner persönlichen Situation schreibe ich weiter unten noch etwas – aber egal ob Mann oder Frau: Eine Meinung kann ich dazu haben. Wenn Ihr also diesen Beitrag kritisieren möchtet: gerne. Aber bleibt sachlich. 😉

Jetzt wieder zurück zum Thema: Romy hat sicherlich mit einigen Punkten Recht. So ist es natürlich SEO-technisch sinnvoller auf eine ältere Domain zu setzen. Und ja: Es ist auch durchaus möglich, dass Geschäftspartner von einer Heirat und einem Namenswechsel nichts mitbekommen. Aber geht davon die Welt unter? Meiner Meinung nach nicht.

Vor meiner Hochzeit hatte sich die Frage für mich nicht gestellt. Meine Frau hat direkt gesagt, dass sie meinen Namen annehmen wird. Daher kann ich das Thema sicherlich nicht so gut beurteilen wie andere, die ihren Nachnamen schon einmal gewechselt haben.

Ich habe heute darüber nachgedacht, ob es für mich ein Problem gewesen wäre, den Namen meiner Frau anzunehmen. Wie schon oben geschrieben: Ich hätte sicherlich ich ein Problem mit diesem Blog gehabt – zumindest mit der Domain. Und ja, sicherlich wäre so mancher Bekannter erstaunt gewesen wer dieser Nico ist, der auf einmal einen unbekannten Nachnamen hat. Aber ich glaube nicht, dass das für mich ein ernstes Problem gewesen wäre.

Ja, überall wird gesagt, dass (Online-) Reputation wichtig sei. Ich bin trotzdem der Meinung, dass in dem Artikel das Thema Personal Branding ein wenig hoch aufgehangen wird.  Mit dem Wort „Kleinmädchentraum“ wurde ein sehr provokanter Titel gewählt, wie auch der ganze Artikel relativ meinungsstark und direkt geschrieben ist.

Die Entscheidung einen anderen Nachnamen anzunehmen sollte man meiner Meinung nach aber nicht von der Entwicklung der eigenen Marke abhängig machen. Eine Marke kann man auch mit einem anderen Namen fortführen/weiter ausbauen – da gibt es sogar im Konsumgüterbereich einige gute Beispiele.

Für mich ist das Führen eines gemeinsamen Familiennamens ein Statement. Genauso, wie die Heirat ein Statement ist: Ja, wir gehören zusammen. Ja, wir sind eine Familie und wir möchten gemeinsam durch das Leben gehen. Kann sein, dass ich da etwas altmodisch bin. Aber so sehe ich das.

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Autor: Nico Kirch

Hallo, mein Name ist Nico Kirch. Hier blogge ich über alles, was mich bewegt - vor allem über Social Media & Kommunikation. Mehr über mich findet Ihr hier. Ihr findet mich unter anderem auf Google+.

  • Romy Mlinzk

    Danke für den Beitrag. Grundsätzlich rate ich niemanden zu etwas. Aber warum sollten nicht auch Männer mal drüber nachdenken, den Namen ihrer Frau anzunehmen, vor allem, wenn sie vielleicht eher Karriere macht als er. Es ist ein Denkanstoß, vielleicht unromantisch, aber das sind Diskussionen um Raum für die Feier, Catering und die Tischordnung auch 😉
    Oder warum nicht jeder den eigenen Namen behalten? Das geht seit ca. 20 Jahren und kenne einige Pärchen, die damit gut fahren.

    P.S.: Ich liebe Hochzeiten! Das ist total romantisch. Doch Romantik hat nichts mit Job, Reputation und Social Media zu tun, über das ich nun mal schreibe und nachdenke. Und mehr ist auch nicht: eine einzelne Meinung in einem Blogpost. Warum die Aufregung? Das ist die Energie nicht wert! Geht euren Weg, trefft eure Entscheidung und ich bin froh, dass nicht alle so ticken wie ich. Wäre komisch. 😉

    • http://www.nicokirch.de/ Nico Kirch

      Der Artikel kam meiner Meinung nach schon wie ein Rat rüber. Er stellt Deine Meinung dar – das ist ja auch gut. Den Titel fand ich trotzdem ziemlich provozierend gewählt, genauso wie einige Formulierungen im Artikel.

      Und ja: Diskussionen um Raum, Catering etc. können sicherlich anstrengend sein. Wobei wir uns da zum Glück sehr schnell einig waren. 🙂

      Aber: Keine Sorge. Ich rege mich nicht auf – ganz und gar nicht. Ich wollte nur meine Meinung dazu kundtun. 🙂

      • Romy Mlinzk

        Das wollten wir beide – aber Du kennst ja meine direkte Art. Und Provokation wirkt (wie wir heute gemerkt haben). 😉

        • http://www.nicokirch.de/ Nico Kirch

          Ja, das wirkt definitiv. 🙂

          • Romy Mlinzk

            Ob wir die 2.000 FB-Shares noch packen?! ;))))

  • Michael

    Klar, Raider heißt jetzt Twix, das geht sicherlich, dass man seinen (Marken-) Namen ändert.
    Ich finde es aber grundsätzlich interessant, diesen Marketing-Aspekt eines angeheirateten Namens mal zu diskutieren. Und provokante Titel halte ich sogar für eine Blogger-Tugend – solange dieses Stilmittel nicht inflationär eingesetzt wird.

    • http://www.nicokirch.de/ Nico Kirch

      Es ist sicherlich interessant den Marketing-Aspekt zu diskutieren. Aber meiner Meinung nach sollte das nicht (der primäre) Grund für eine solche Entscheidung sein.

      Und zu den provokaten Titeln: Da kann ich nur zustimmen. 🙂

      • Romy Mlinzk

        Nein! Bloß nicht so etwas als Hauptgrund zum Heiraten nehmen. Das wäre wirklich fatal!! Aber andererseits haben auch schon Menschen aus weniger schönen Gründen geheiratet (Politik, Zwangsheirat, …). Die Liebesheirat ist übrigen noch keine 300 Jahre üblich. 😉
        Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Liebesheirat

        • http://www.nicokirch.de/ Nico Kirch

          Romy ich meinte eher, dass man nicht den Marketing-Aspekt als Grund für einen Namenswechsel (oder eben auch keinen Namenswechsel) nehmen sollte. 🙂

  • Monika E. König

    🙂 Also bei ob und warum heiraten und wenn wer welchen Namen bin ich eher leidenschaftslos, wobei ich das „ö“ während meiner Zeit in Großbritannien schon … lieber los gehabt hätte. 😉

    Aber zum Punkt.

    Warum nicht einen Namenswechsel einfach mal
    a) als Herausforderung ansehen? Oder
    b) als Chance, der eigenen Reputation eine leicht andere Richtung zu geben?

    Wir sind doch „Medienmenschen“. Und wir beraten. Warum nicht mal wieder am eigenen Leib den Thrill – und die Schwierigkeiten dabei – erleben?

    Wer das im Übrigen m.E. bestens gemeistert ist auch eine Frau, die Sandra ehemals Schaffert, jetzt Schön. Und das auch noch mit einem „ö“. 😉

    m

    • http://www.nicokirch.de/ Nico Kirch

      Ja, das mit den Umlauten kann im Ausland natürlich Schwierigkeiten machen. 🙂

      Zum Vorschlag den Namenswechsel als Herausforderung/Fallstudie zu sehen: Interessanter Gedanke – aber hoffentlich nimmt dann nicht jemand den Namen des/der anderen nur an, ob zu üben. 😉

  • oliverg

    Nico, ich verstehe dich also richtig: Hätte deine Frau mehr Twitterfollower als du (du weißt, wie ich das meine 😉 ), hättest du ihren Namen angenommen:

    Das find ich gut von Dir.

    • http://www.nicokirch.de/ Nico Kirch

      Ich muss ehrlich sein: Ich weiß es nicht. Unabhängig von den Followern stand es bei mir ja nicht zur Debatte, wie oben schon geschrieben. Daher kann ich es wohl nicht vollkommen objektiv beantworten. Hätte meine Frau den Wunsch gehabt, dass wir ihren Namen annehmen wären die Follower aber sicher nicht das Entscheidungskriterium gewesen.

  • WB

    interessanter Aspekt.
    zum einen ist Heirat die beste Art seinen Namen zu ändern 😉
    zum anderen ist niemand gezwungen wegen Heirat seinen Namen zu ändern. Beide können auch ihren „alten“ Namen behalten. ist z.B. in Spanien so üblich. Dann müssen die Beiden sich – falls es soweit kommt – auf 1 Namen für die Kinder einigen.
    mfg WB