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“Nur Bares ist wahres” – Das Geschäftsmodell von Dailyplaces

Dailyplaces aus Frankfurt f

Auf dem 1. Twittwoch Rhein-Main gestern hat Andreas Ebert, Geschäftsführer von Dailyplaces, das Geheimnis um das Geschäftsmodell seiner Firma gelüftet:
“Places Ads” sollen als Flyer-Ersatz für den stationären Handel positioniert werden. Dailyplaces will sich damit vor allem gegenüber Foursquare und Facebook Places abgrenzen. Eingeführt werden die Places Ads ab Ende des 3. Quartals 2011.

Einchecken, Werbung anschauen, echtes Geld kassieren

Das Prinzip funktioniert ganz einfach: Checkt ein Nutzer an einem Ort ein, kann es sein, dass er Werbung angeboten bekommt. Nun muss der Nutzer zuerst bestätigen, dass er diese Werbung tatsächlich sehen möchte. Nachdem er das bestätigt hat, bekommt er ein bis fünf Bilder und beschreibenden Text angezeigt. Dafür, dass sich der Nutzer die Werbung anschaut zahl das Werbetreibende Unternehmen Geld an Dailyplaces. Wir haben also ein klassisches CPC-Modell.

Der Unterschied ist, dass Dailyplaces einen Teil der Einnahmen an den Nutzer weiterleitet. Nach Andreas Ebert wird der minimale Betrag bei 0,25 € liegen. D.h. der Nutzer bekommt mindestens 25 Cent für das Anschauen der Werbung. Dieser Betrag kann aber vom Werbetreibenden auch erhöht werden. Hat der Nutzer 10 € auf seinem Konto, bekommt er das Geld von Dailyplaces ausgezahlt.

Andreas Ebert hat auch von Targeting gesprochen. Wie weit dieses Targeting gehen wird, hat er aber nicht näher erläutert. Definitiv kann man natürlich als Werbetreibender Zeiträume definieren, man kann den Betrag definieren, den der Nutzer bekommt und man kann den Radius definieren, in dem die Werbung angezeigt wird. Interessant wäre hier noch zu erfahren, ob der Werbetreibende auch nach Alter, Geschlecht oder z.B. Eincheck-Verhalten die Schaltung beeinflussen kann.


Der Blumenladen und der Schokoriegel-Hersteller

Ich will das ganze einmal an zwei praktischen Beispielen durchgehen. Am Blumenladen “um die Ecke” und am großen, deutschlandweit agierenden, Schokoriegel-Hersteller.

Als Blumenladen-Betreiber kann ich z.B. am Valentinstag Anzeigen bei Dailyplaces schalten. Die Werbung lasse ich am Valentinstag erst einmal nur Männern einblenden (wie gesagt: vorbehaltlich, dass ich das wählen kann).  Der Mann, der diese Werbung angezeigt bekommt, ist bereits in der Nähe und könnte auf dem Heimweg noch schnell Blumen für seine Frau/Freundin mitnehmen. Ich zahle also pro angezeigter Werbung einen Betrag X an Dailyplaces. Weiter habe ich als Werbetreibender nichts damit zu tun. Das Verrechnen an den Nutzer übernimmt Dailyplaces.

Was ich bei diesem Beispiel sehr spannend fände: Wenn ich als Blumenladen-Betreiber auch Werbung an den nächstgelegenen Stationen des öffentlichen Nahverkehrs schalten könnte. Sprich: Der Nutzer checkt auf dem Heimweg an seiner Haltestelle ein und bekommt die Werbung angezeigt. Dann fällt ihm ein, dass er doch noch schnell Blumen mitnehmen könnte.

Als Schokoriegel-Hersteller könnte ich die Werbung z.B. bei Supermärkten oder an Bahnhöfen schalten lassen. In einem Supermarkt gibt es viele verschiedene Schokriegel und andere Süßwaren. Ich kann also die Werbung nutzen um den Kunden zu einem meiner Schokoriegel zu bewegen. Eventuell erhöhe ich den ausgezahlten Betrag in der Zeit von 16:00 und 20:00 Uhr, weil in dieser Zeit viele Leute nach der Arbeit noch einkaufen gehen. Wieder zahle ich einen Betrag X an Dailyplaces und den Rest übernimmt Dailyplaces.

Gestern sind wir darauf gekommen, dass einchecken im einem Discounter ja “uncool” ist und das daher nicht von so vielen gemacht wird. Aber das Beispiel kann man natürlich auch ohne Probleme auf einen Club oder eine Bar übertragen. Werbetreibender wäre in dem Fall entweder der Clubbesitzer oder aber ein Getränke-Hersteller, dessen Getränke in dem Club ausgeschenkt werden.

Geld “abziehen” und die Geschichte mit der kritischen Masse

Jetzt stellen sich mir zwei Fragen:

  1. Werden die Nutzer das nicht ausnutzen? Sprich: Einchecken, Werbung anschauen, vergessen, Geld kassieren.
  2. Wie viele Werbetreibende wird Dailyplaces finden können? Nach Aussage von Andreas Ebert hat Dailyplaces im Moment zwischen 45.000 und 50.000 registrierte Nutzer. Reicht das schon für die kritische Masse? Also lohnt es sich für Werbetreibende hier zu werben?

Diese Fragen können aus meiner Sicht nicht eindeutig beantwortet werden. Ob die Nutzer es ausnutzen werden? Ich bin mir sicher, dass es gerade am Anfang einige Leute geben wird, die in vielen Orten einchecken nur um das Geld zu kassieren. Aber andererseits muss man sich auch bewusst sein, dass ein gedruckter Flyer ein Unternehmen auch Geld kostet. Und hier hat das Unternehmen nicht einmal eine Garantie, dass er überhaupt angeschaut wird. Bei mir landen die Flyer meist einfach im Mülleimer.

Die Frage der Werbetreibenden ist ebenso kompliziert. 45.000 Nutzer sind natürlich eine relativ überschaubare Zielgruppe, wenn man andere Online-Dienste beachtet. So hat Foursquare gerade die zehn Millionen Nutzer überschritten.
Aber: Das Unternehmen zahlt nur für eine ausgelieferte Werbung und noch dazu ist der Empfänger schon in der Nähe. Also warum sollte man es nicht versuchen?

Ein interessanter Ansatz und ungewisse Aussichten

Meine Meinung zu den Erfolgsaussichten ist geteilt. Einerseits finde ich das gewählte Prinzip sehr gut. Die Nutzer sind bereits in der Nähe und können gezielt angesprochen werden. Für den Werbetreibenden entstehen nur Kosten, wenn sich der Nutzer die Werbung tatsächlich anschaut und der Nutzer hat auch noch etwas davon.

Interessant wird es zu sehen, wie viele Unternehmen am Anfang mit am Start sind und wie die Nutzer das neue Angebot annehmen. Karsten Sauer hat es gestern Abend gut getroffen:

Karsten Sauer zum Launch des Business-Angebots von Dailyplaces

Ich würde es den “Jungs” von Dailyplaces gönnen, wenn es fliegt. Es ist mutig genug eine Firma in einem Feld wie dem Location Based Marketing aufzubauen und das noch dazu in Deutschland. Location Based Services sind noch lange nicht im Mainstream angekommen, in Deutschland erst Recht nicht.
Aber erreicht Dailyplaces die nötigen Nutzerzahlen um genügend Unternehmen davon überzeugen zu können? Es bleibt eine ganze Menge Ungewissheit in mir zurück.

PS: Mittlerweile gibt es auch einen Beitrag auf dem Blog von Dailyplaces in dem aber nicht sehr viel beschrieben wird.

 

Foto: Fabienne Kneifel via Flickr
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Autor: Nico Kirch

Hallo, mein Name ist Nico Kirch. Hier blogge ich über alles, was mich bewegt - vor allem über Social Media & Kommunikation. Mehr über mich findet Ihr hier. Ihr findet mich unter anderem auf Google+.