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Google+: Top oder Flop? Für Unternehmen noch viel Spielraum!

Bildquelle: albdruck (flickr), Lizenz: CC BY-SA 2.0

Bildquelle: albdruck (flickr), Lizenz: CC BY-SA 2.0

In den letzten Wochen gab es zwei Artikel zum Thema Google+ Top oder Flop, die beide eine relativ große Aufmerksamkeit erzielten. Zum einen führte Martin Weigert auf netzwertig.com aus, dass Googles Netzwerk aus seiner Sicht mehr als drei Jahre nach dem Start ein Flop ist. Dem entgegnete Luca Caracciollo bei t3n, warum Google+ doch kein so großer Flop ist.
Meine Meinung dazu ist nicht eindeutig. Aber eine Sache ist meiner Meinung nach eindeutig: Für Unternehmen könnte Google noch einiges tun um das Leben auf Google+ angenehmer zu machen.

Google lässt sich bitten: Unternehmensseiten und Analytics bei Google+

Zum Start gab es auf Google+ erst einmal gar keine Unternehmensseiten. Das hatte auch ziemlich schnell Konsequenzen: Viele Unternehmen hatten sich „normale“ Google+-Profile angelegt und diese mit ihrem Unternehmensnamen versehen. Das widersprach dem Klarnamenzang von Google und sorgte dafür das einige Seiten nach und nach gelöscht/gesperrt wurden.

Im November 2011 legte Google dann nach und machte es Unternehmen möglich eigene Seiten im Netzwerk anzulegen. Und die Möglichkeit nutzten direkt zum Beginn auch einige Unternehmen. Trotzdem sieht man in diesem Vorgehen vom Beginn des Netzwerks schon eine Tendenz: Unternehmen sind nicht die wichtigste Zielgruppe für Google beim Aufbau des eigenen Netzwerks.

Diese Tatsache zeigt sich auch noch in einem anderen Bereich, den Google bisher sträflich vernachlässigt: Die Analytics bzw. Statistik-Funktionen für Seitenbetreiber von Google+-Seiten.

In Unternehmen spielen Zahlen immer eine gewisse Rolle. Keine Facebook-Seite, keine Google+-Seite und kein Twitter-Account wird von einem Unternehmen zum Selbstzweck betrieben. OK – sollten sie zumindest nicht. Unternehmen verbinden mit dem Engagement auf den Plattformen gewisse Ziele und möchten die Erreichung dieser messen. Wichtig dafür sind immer auch Zahlen, die vom Netzwerk selbst geliefert werden.

Tja, genau in diesem Bereich lässt sich Google aber deutlich bitten. Der Betreiber einer der bekanntesten Webstatistik-Dienste schafft es nicht, Analytics-Funktionen für die Unternehmensseiten seines sozialen Netzwerks bereit zu stellen. Einen kleinen Fortschritt gibt es in diesem Bereich immerhin: Seit Juni gibt es Analytics-Funktionen für lokale Google+ Seiten.

Ich frage mich ernsthaft, warum Google diese Funktionen nicht für alle Google+-Seiten anbietet. Es fehlt (natürlich) auch ein API, die entsprechende Statistik-Daten liefert.

Philipp Steuer (Autor des Buches „Plus eins: Das Google+ Buch für Jedermann“) ist ein ausgewiesener Experte für Google+ – nicht zuletzt deswegen arbeitet er mittlerweile für Google. Aber selbst er verweist in seinen aktuellen 50 Google+-Tipps auf CircleCount – einen kostenlosen Dienst, den es bereits seit den Anfangstagen von Google+ gibt.

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Warum schafft ein kostenloser Dienst, was Google selbst nicht schafft?

Jetzt könnte man sich denken: Hey, ist doch alles super. Es gibt mit CircleCount sowohl für private Profile, als auch für Seiten und auch für Communities Statistiken. Wozu also das Meckern?

Ganz einfach: Wie oben schon geschrieben, gibt es kein Statistik-API von Google+. Woher bekommt CircleCount also seine Daten? Ich stelle jetzt einmal eine Vermutung an: Sie holen sich einfach die öffentlich verfügbaren Daten. Die Follower-Zahlen, Mitgliederzahlen und auch die Interaktionen mit öffentlichen Beiträgen sind öffentlich. Das bedeutet jeder Crawler kann diese „abgreifen“. Aber hier bleibt eine Unsicherheit: Zum einen werden natürlich nicht alle Seiten und Communities von CircleCount erfasst – das kann man ändern, indem man die fehlende Seite selbst dem Index hinzufügt.

Zum anderen ist diese Form der Datenbeschaffung natürlich deutlich instabiler, als ein vom Anbieter zur Verfügung gestelltes API. Das sieht man schon, wenn man sich z.B. mein privates Profil bei CircleCount anschaut. Stellt man den Zeitraum seit dem 15.07.2011 ein, klafft eine riesige Lücke – in dieser Zeit wurde mein Profil nicht aktualisiert.

Für Google sind die Unternehmen nicht so wichtig wie für Facebook

OK, oben schreibe ich noch, dass ich mich ernsthaft frage, warum Google sich so bitten lässt. Und jetzt kommt auch schon ein kleiner Grund: Für Google sind die Unternehmen nicht so wichtig, wie für Facebook. Geld für die Betreiber eines sozialen Netzwerks kommt sehr häufig von Unternehmen. Und Google muss mit Google+ kein Geld verdienen.

Worum es Google meiner Meinung nach viel eher geht, darauf gehe ich gleich noch etwas genauer ein. Fakt ist aber: Google bemüht sich nicht unbedingt stark um die Unternehmen. Natürlich bemüht sich Google um die Förderung seiner Hangouts – auch durch Prominente und Unternehmen. Aber es geht eben nicht vorrangig um Unternehmen.

Google braucht Nutzer der Google+-Funktionen – nicht unbedingt Nutzer des Google+-Streams

Kommen wir noch einmal auf die Frage „Google+: Top oder Flop“ zurück. Beide oben verlinkten Autoren bringen die Zahl der 190 Millionen monatlich aktiven Nutzer als Argument. Diese Zahl beschreibt aber ja „nur“ die aktiven Nutzer des Streams. Ich habe es schon einmal „drüben“ bei Social Media Statistiken gesagt: Aus meiner Sicht sind die Nutzer von Google+-Funktionen viel wichtiger für Google, als die Stream-Nutzer.

Und das waren im Mai diesen Jahres schon 390 Millionen Accounts. Und es werden sicherlich noch mehr: Alleine schon durch die neue Kommentar-Funktion von YouTube, die an Google+ gebunden ist.

390 Millionen Accounts, die Daten liefern um die Google-Suche besser zu machen. Daten sind der Sauerstoff der Google-Suche. Desto mehr Google über die Nutzer der Suchmaschine (und des Webs im Allgemeinen) weiß, desto besser zugeschnittene Werbung kann Google ausliefern. Und zu guter Letzt: Desto mehr Umsatz wird Google mit dem Anzeigen-Geschäft machen. Und darum geht es Google doch nunmal – oder?

Weiterführender Artikel: Analysetools für Google+, AKOM 360

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Autor: Nico Kirch

Hallo, mein Name ist Nico Kirch. Hier blogge ich über alles, was mich bewegt - vor allem über Social Media & Kommunikation. Mehr über mich findet Ihr hier. Ihr findet mich unter anderem auf Google+.