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Experiment: Elternzeit in Teilzeit

Elternzeit Teilzeit Kindergeburtstag

Über Elternzeit wurde in den letzten Wochen und Monaten ja viel gesprochen. Ob im Zusammenhang mit Elterngeld Plus oder im Zusammenhang mit Kündigungen direkt nach der Elternzeit. Als vor etwas mehr als einem Jahr mein Sohn geboren wurde, stand für mich von Anfang an fest, dass ich Elternzeit nehmen werde. Das klingt vielleicht kitschig – aber die Kleinen werden einfach zu schnell groß.

Ursprünglich war geplant, dass ich die Lebensmonate (was ein schöner Begriff) 13 und 14 komplett zu Hause bleibe. Aber meist kommt es ja anders als man denkt. 🙂

Die Vorgeschichte

Zunächst haben wir uns letztes Jahr auf die Suche nach einer Kinderbetreuung gemacht. Da meine Frau wieder arbeiten geht – aber nicht in Vollzeit – wollten wir gerne einen Betreuungsplatz für zwei-drei Tage pro Woche und keinen Vollzeitplatz. In Kitas gibt es das nicht, zumindest nicht bei uns. Also hat meine Frau gefühlt 20 Tagespflegestellen abtelefoniert, bis wir dann eine passende gefunden haben.

Damit war klar: Sohnemann wird ab Anfang März drei Tage pro Woche bei der Tagesmutter sein.

Gleichzeitig sind bei mir auf der Arbeit mehrere spannende Projekte gestartet, die ich gerne mit gestalten möchte. Nach einem Gespräch mit meinem Chef war dann klar: Wir wagen das Experiment Elternzeit und Teilzeitbeschäftigung.

Flexible Arbeitszeiten sind (mir) wichtig

Für mich war aber auch klar: Ich möchte in den zwei Monaten flexibel sein. Ich arbeite in den zwei Monaten 20h/Woche. Das sind bei unserer normalen Arbeitszeit ein bisschen mehr als 50%.

Das Gute ist: Ich darf mir die Arbeitszeit so einteilen, wie ich das möchte. Ich muss mich nicht auf feste Wochentage festlegen, kann zwei Tage 10 Stunden ins Büro oder auch vier Tage je 5 Stunden. Und ich kann von zu Hause arbeiten, wenn ich das für sinnvoll erachte.

Dafür bin ich meinem Chef sehr dankbar und ich denke es ist für beide Seiten von Vorteil. So kann ich bei Terminen im Büro flexibel bleiben und gleichzeitig auch die Zeit mit meinem Sohn genießen.

Warum Elternzeit und Teilzeit ein Experiment ist

Elternzeit sollte ja mittlerweile beinahe normal sein. Warum also nenne ich das ganze ein „Experiment“? Es ist für mich ein Experiment, da ich eben nebenbei auch noch zu 50% ins Büro gehe bzw. arbeite.

Es ist ein Experiment für mich, aus dem ich – soviel kann ich nach der ersten Hälfte schon sagen – viel lernen werde. Ich lerne mich noch besser zu organisieren und vor allem: Besser zu priorisieren. Im Büro habe ich jetzt nicht mehr (ca.) 40 Stunden sondern 20 Stunden für meine Arbeit. Natürlich war von Anfang an vereinbart, dass einige Sachen liegen bleiben und andere Sachen von KollegInnen übernommen werden. Trotzdem habe ich ja meine Projekte und Aufgaben, die mir auch wichtig sind.

An den Arbeitstagen gehe ich morgens meine To Do-Liste durch, priorisiere die Aufgaben neu und mach‘ mir einen Plan für den Tag. Je nachdem wie viele Termine noch während des Tages sind schaffe ich dann mehr oder weniger meiner geplanten Aufgaben. Und auch bei Terminen bin ich deutlich „wählerischer“ geworden. Ich muss noch eher mit meiner Zeit haushalten und dadurch wird dann auch mal ein Termin abgesagt. 🙂

Spannend war für mich auch: Schaffe ich es mich selbst so zu disziplinieren, dass ich an den freien Tagen das Diensthandy links liegen lasse? Schreibe ich während dem Mittagsschlaf des Sohnemanns dann Mails, damit ich irgendwie hinterherkomme?

War die Elternzeit in Teilzeit die richtige Entscheidung?

Ein Kollege, der selbst gerade eine Zeit lang komplett in Elternzeit war, sagte zu mir das sei die denkbar schlechteste Lösung. Andere Freunde und Kollegen sagten, dass sie es super finden.

Natürlich bedarf die Antwort auf die Frage eines etwas differenzierteren Blickes. Nach ein bisschen mehr als einer Hälfte der Zeit kann ich – für mich – sagen: Ja, auch wenn es eine Herausforderung ist. Die Selbstdisziplinierung an den freien Tagen klappt tatsächlich viel besser, als ich gedacht hätte. Das Diensthandy liegt irgendwo in der Tasche und wird erst am Arbeitstag wieder angeschaltet. Das sorgt dann allerdings auch dafür, dass ich mich von dem Ziel verabschiedet habe alle Mails möglichst schnell zu beantworten:

Für die Zeit mit meinem Sohnemann ist die klare Antwort: Ja! Ich versuche mir meine freien Tage so zu legen, dass mein Sohn an diesen Tagen zu Hause und nicht bei der Tagesmutter ist. Und das Eisenbahn-Bauen, Holzklötze-Stapeln, Musik hören & mitsingen, das rumtoben etc. mit ihm möchte ich nicht missen. 🙂 Ich freue mich auf die nächsten Wochen Eltern-Teilzeit – und zwar sowohl auf die Zeit im Büro als auch (und da muss ich zugeben: noch mehr!) auf die Zeit mit dem Sohnemann.

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Autor: Nico Kirch

Hallo, mein Name ist Nico Kirch. Hier blogge ich über alles, was mich bewegt - vor allem über Social Media & Kommunikation. Mehr über mich findet Ihr hier. Ihr findet mich unter anderem auf Google+.

  • http://frank-hamm.com/ Frank Hamm

    Hallo Nico, schön, dass Du über Dein Experiment berichtest – und dass Dein Chef das so ermöglicht.

  • http://powknow.de Patrick

    In den letzten Jahren hat sich die Ansicht vieler Menschen geändert. Viele wollen lieber Freizeit als Geld haben, da sind eben solche Modelle gar nicht so schlecht.

    • http://www.nicokirch.de/ Nico Kirch

      Hey Patrick,

      das sehe ich auch so. Wobei das in diesem Fall ja eine Mischung aus beidem war. Mir war es wichtig Zeit mit meinem Sohn zu verbringen und dabei trotzdem Projekte im Büro voranzubringen, die mir ebenfalls wichtig waren. 🙂

      • http://powknow.de Patrick

        Ich persönlich finde es auch unglaublich wichtig genug Zeit mit der Familie zu verbringen. Denn das ist etwas, was man sich mit Geld nicht kaufen kann. Ich hätte genau so gehandelt.