Nicos Blog

Social Media & Kommunikation – nicht nur im Rhein-Main Gebiet

Die Grenzen zwischen privatem und dienstlichem verschwimmen zusehends

| 7 Kommentare

Ich stelle mal eine These in den Raum: In zwei bis drei Jahren haben rein berufliche Netzwerke, wie Xing und Linkedin, komplett ihre Bedeutung verloren. Das Universum der sozialen Netzwerke wird nicht mehr in berufliches und privates (soziales) Netzwerk getrennt.

via Flickr CC BY-SA http://www.flickr.com/photos/mecklenburg/5843870734/sizes/m/in/photostream/

Die Mauer fällt: Absolute Trennung zwischen privat und dienstlich funktioniert nicht mehr!

Ausgangssituation

Als OpenBC, das jetzige Xing, 2003 gegründet wurde, gab es Facebook und die Vz Netzwerke noch nicht. An Google+ hat damals noch niemand gedacht. Zwar gab es bereits z.B. MySpace – aber die gesamte Landschaft der Sozialen Netzwerke war noch nicht so sehr in der Gesellschaft verankert, wie sie es heute ist.

Die Situation heute

Facebook hat MySpace als größtes Social Network mit der Anzahl der angemeldeten Nutzer bereits im Jahr 2008 überholt. Die Vz-Netzwerke spielen auch im deutschsprachigen Raum kaum noch eine Rolle. Xing hat dieses Jahr einen Relaunch hinter sich, der nach meinem subjektiven Gefühl in der Nutzerschaft nicht sehr gut angekommen ist. Und es gibt es einen neuen Spieler im Ring. Google+ bekam am Anfang so viel Lob, dass es einem beinahe unheimlich sein könnte. Zwischen “G+ vernichtet Facebook”, “G+ wird Twitter verdrängen” und “G+ hat keine Chance” gab es allerlei Äußerungen und Theorien.

Wozu dient welches Soziale Netzwerk und welche Zielgruppe wird angesprochen?

Das ist die zentrale Fragestellung, auf der meine These beruht. Die Vz-Netzwerke hatten mit StudiVz und SchülerVz von Anfang an eine klare Ausrichtung bei den Zielgruppen. MeinVz wurde dann aufgezogen, um den nicht-mehr-Studenten eine Heimat im gleichen Look-and-feel zu bieten.

Facebook hat keine konkrete Zielgruppe. Hier findet man Schüler, Studenten, Politiker, Unternehmer, Blogger, Marken etc. etc. Kurz gesagt: ab dem 13. Lebensjahr findet man auf Facebook einen Querschnitt durch die Gesellschaft. Hinzu kommen die Seiten von Unternehmen, Organisationen usw.

Xing bezieht sich immer noch rein auf den beruflichen Kontext.

Bei Google+ treiben sich immer noch vor allem die “üblich Verdächtigen” Early Adopter herum. Aus Sicht von Google dürfte aber wohl die gleiche Zielgruppe, wie bei Facebook angestrebt sein. Sprich: Die gesamte Gesellschaft.

Auch Twitter hat keine wirkliche Einschränkung bzw. Spezialisierung auf eine Personengruppe. Jeder kann mitmachen, egal ob Unternehmen oder Privatperson.

Vermischte Kommunikation

Genau diese Zielgruppen bringen mich zu meiner These. Der Gedanke ist mir übrigens schon vor dem Launch von Google+ und der Subscribe-Funktion bei Facebook gekommen. :-)
Die Netzwerke, die sich an nur eine Zielgruppe wenden, werden nach und nach an Bedeutung verlieren. Wozu führt das?

Ich habe auf Facebook sowohl Freunde, Kommilitonen, Bekannte, Familie als auch Kollegen als Kontakte. Ich habe auch einige Kontakte, die ich gar nicht persönlich kenne – sondern nur über Twitter. Außerdem bin ich “Fan” verschiedener Unternehmensseiten. D.h. in meinen Stream kommen Nachrichten von Personen und auch von Unternehmen.
Und ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich bei gut gemachten Posts beim Überfliegen diese Posts nicht auseinander halte. Solange die Nachrichten für mich relevant sind, ist mir das egal.

Noch krasser ist diese Situation auf Twitter. Die Nachricht kann von einem Unternehmen oder einer realen Person kommen. Wenn der Inhalt interessant ist, lese ich ihn auch und klicke auf den Link.

Und es geht noch weiter… Viele privaten Profile sind auch (mehr oder weniger bewusst) als Markenbotschafter für ihren jeweiligen Arbeitgeber unterwegs. D.h. auch von privaten Profilen bekomme ich ab und zu Nachrichten von Unternehmen in meinen Stream gespühlt. Das finde ich aber nicht schlimm.

Und noch ein anderer Aspekt: Immer wieder wird gefordert, dass auf Unternehmens-Seiten auf Facebook oder auch auf Twitter bekannt gegeben wird, wer hier für das Unternehmen spricht bzw. schreibt. Geschieht das, wird der- / diejenige auch mit dem Unternehmen identifiziert. Das wiederum impliziert, dass auch die Nachrichten über den privaten Account ein Stück weit auf das Unternehmen übertragen werden.
Außerdem sind wir, die Smartphone-Nutzer, eigentlich ja immer online. Wenn man von seinem Job begeistert ist, ist man mit den Gedanken wahrscheinlich auch einmal außerhalb der Büro-Arbeitszeit bei der Arbeit. Wenn man dann eine Idee hat, was spricht dagegen, diese zumindest einmal schnell festzuhalten? Geschieht etwas online, das mit dem Unternehmen zu tun hat, reagieren die meisten auch in ihrer Freizeit.

Fazit

1. Die Trennung von privatem und dienstlichem in den Accounts in sozialen Netzwerken verschwimmt. Reine berufliche Netzwerke werden, außer als Adressbuch, meiner Meinung nach keine Zukunft haben.

2. Die Allways-On Mentalität führt auch dazu, dass man außerhalb der Büro-Arbeitszeiten etwas für das Büro tut. Die Mitarbeiter, die im Netz für ihr Unternehmen Gesicht zeigen, werden auch in ihren privaten Accounts ein Stück weit mit dem Unternehmen identifiziert.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Aus meiner Sicht ist das gut so! Wenn man begeistert ist von seinem Job und Spaß daran hat, ist das kein Problem. Ich persönlich liebe dieses Leben 2.0! Lese-Empfehlung hierzu: “Plädoyer für das Leben 2.0” von Anika Geisel.

Aber führt das nicht zu einer dauernden Überlastung zu dem gefürchteten Burn-Out? Nein, das denke ich nicht – zumindest nicht zwangsweise. Man muss nur für sich selbst schauen, dass man ausgeglichen ist! Lese-Empfehlung hierzu: “Gedanken zu Work-Life Balance: Sei ausgeglichen” von Christine Heller.

Weiterführender Artikel: “Xing wächst – aber nur langsam” von Hayo Lücke auf basicthinking.

 

Wie geht es Euch? Merkt ihr auch, dass die Trennung von rein privat und rein dienstlich genutzten Netzwerken nicht mehr funktioniert? Begrüßt Ihr das oder stört es Euch?

Foto: via Flickr von Thomas Kohler, CC BY-SA 2.0
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Autor: Nico Kirch

Seit ich 2009 mein BWL-Studium (Dienstleistungsmarketing) an der DHBW Mannheim abgeschlossen habe, arbeite ich bei DB Training, Learning & Consulting im Marketing. Au

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      • Anonymous

        Hmmm. Dann ist da wohl der Unterschied. Das setzt aber voraus, da

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    Ich stimme Dir zu. Die Verschmelzung der einst getrennten Lebensbereiche “Privat” und “Beruf” schreitet voran. Auf den Einzelnen kommt mit dem beruflichen Rund-um-die-Uhr-Engagement auch die Verantwortung daf

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    Ich teile Deine These, zumindest in der Konsequenz des Ergebnisses, nicht. :)

    Ja, die Welten wachsen zusammen und man ist immer (bzw.